Gedanken über Gott und die Welt:

Zu allem JA und Amen sagen? (Foto: Michele Eckert/ Unsplash)
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Ja und Amen

Ljudmilla und Victoria sind in Konstanz angekommen, an einem Samstagmorgen nach langer Fahrt mit dem VW-Bus durch Polen. Seit zwei Wochen bewohnen die beiden Ukrainerinnen nun ein zügig freigeräumtes Arbeitszimmer einer 4-Zimmer-Wohnung in der Konstanzer Innenstadt…

Allem voran stand ein JA. Dieses Wörtchen, bestehend aus zwei Buchstaben hat es in sich. Vor allem, wenn es um die großen Entscheidungen im Leben geht. Da war genau dieser eine Anruf von jemanden der wiederum jemanden in der Ukraine kennt. Aus dem Bauchgefühl heraus hat das befreundete Paar gesagt: „Ja, wir nehmen Flüchtlinge auf“. So wohnen die Mutter Ljudmilla, Mitte Dreißig, und Tochter Victoria im Teenager-Alter, nun hier in Konstanz bei Freunden. 

„Aus dem Bauchgefühl heraus: JA“

Die aufnehmende Familie ist jung, vor einigen Monaten haben sie selbst ein Kind bekommen. Und haben ursprüngliche Pläne abgeändert, sind beweglich geblieben angesichts einer geänderten Weltlage – neudeutsch „agil“. Sie haben JA gesagt. Ohne genau zu wissen was nun alles so auf sie zukommt. Und der Freund berichtet weiter, aus seinen ersten Tagen in vergrößerter Familie: „Ab jetzt beginnt eine spannende Reise für uns alle“.

Diese zutiefst christliche Überzeugung berührt mich, dass Menschen, die zu uns kommen und hier Schutz suchen, nicht abgewiesen werden. Das erinnert mich an die Jahreslosung für dieses besondere Jahr 2022, ein Zitat von Jesus Christus aus dem Johannes-Evangelium, was wie ich finde nun eine ganz neue Bedeutung bekommt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Joh 6,37) Dieses Bibelwort steht in großen Lettern bei uns an der Bushaltestelle „Friedhof“, an unserem Gemeindezentrum in der Wollmatinger Straße. Auch die blaugelbe „Save Me“-Flagge hängt noch.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Joh 6,37)

Save me! Es gibt wenige Menschen wie Jesus, die zu allem „Ja und Amen“ sagen können. Möge die Welle der Begeisterungsfähigkeit, hin zu mehr Solidarität, in unserer Stadt länger halten. Ich höre Geflüchtete bei Projekten wie „Save-Me“ wie sie sich darüber austauschen, gefühlt ein Flüchtling zweiter Klasse zu sein. Gott sagt bedingungslos JA zu uns, zu mir und dir, zu Ihnen. Innerhalb der Kirche denke ich an unsere Konfirmanden. Erst die vielen Coronafälle, jetzt die Kriegsnachrichten – all das beschäftigt natürlich auch sie. Und gleichzeitig bereiten sich unsere Teenager, im Alter von Victoria aus der Ukraine, auf ihren großen Tag. Sie werden feierlich gefragt werden, ihre Taufe zu bestätigen, verkürzt: Ja zu Jesus. 

Hier und dort werden wir als Menschen gelegentlich auch hochoffiziell gefragt, wird eine Urkunde zu diesen zwei Buchstaben angefertigt. Ob zu Hochzeiten, Konfirmationen oder bei meiner Ordination zum Pfarrer in der Pauluskirche. Der Apostel Paulus schreibt: „Jesus Christus ist das Ja in Person“ (2. Kor. 1,20). Durch ihn sage Gott Ja zu allem, was er je versprochen habe. Wie wohltuend wirkt so ein einfaches JA! Möge es für alle Menschen guten Glaubens gelten. Amen!

Geistlicher Impuls, veröffentlicht im SÜDKURIER, Regionalausgabe für Konstanz (2.4.2022)

Artikelbild: Michele Eckert/ Unsplash

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