Gedanken über Gott und die Welt:

Nach draussen! Raus aus dem Gedankenkarussel, auf der Suche nach Wegen zu gewisser Gelassenheit... (Foto: Amir Bajric/ Shutterstock)
Predigten

Raus aus dem Gedankenkarussell! Über Wege zu gewisser Gelassenheit…

Nach draussen! Raus aus dem Gedankenkarussel. Suchen wir gemeinsam nach Wegen zu gewisser Gelassenheit…

Hört Worte aus dem Brief an die Thessalonicher vom Apostel Paulus, seinem ersten Brief, 1. Thess. 5,1-6+11 (HFA):

„1 Wann das alles sein wird, zu welcher Zeit und Stunde, brauchen wir euch, liebe Brüder und Schwestern, nicht zu schreiben. 2 Ihr wisst selbst ganz genau, dass der Tag, an dem der Herr kommt, so unerwartet eintreffen wird wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sich die Leute in Sicherheit wiegen und sagen werden: »Überall ist Ruhe und Frieden«, wird sie das Ende so plötzlich überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau. Es wird für niemanden mehr einen Ausweg aus dem Verderben geben. 

4 Doch ihr, liebe Brüder und Schwestern, lebt ja nicht in der Finsternis. Also kann euch der Tag, an dem der Herr kommt, auch nicht wie ein Dieb in der Nacht überraschen. 5 Ihr alle lebt im Licht; ihr gehört zum hellen Tag und nicht zur Nacht mit ihrer Finsternis. 6 Darum lasst uns nicht schlafen wie die anderen! Wir wollen hellwach und nüchtern bleiben! 11 So ermutigt und tröstet einander, wie ihr es ja auch bisher getan habt.“ (Übersetzung: Hoffnung für alle)

Liebe Gemeinde, 

I. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. So hell soll auch die Erde sein!

Wann genau, das weiß ich nicht. Aber ich bin mir gewiss, dass er kommt, dieser helle Himmel. Durch das Dunkel hindurch, wie mich ein Lied in unserem blauen Gesangbuch dran erinnert.

Erheben wir unsere Häupter, unsere Erlösung naht. Es kommt der Heiland, der wahre Mutmacher, der Erlöser, der Retter der sich als Jeschua selbst hat retten lassen vom Kreuz. Der Sieger über finstere Mächte, mit dem wir jeden Tag wieder neu aufstehen können, neu ins Leben, durch dessen Wunden wir (eigentlich) geheilt sind. 

Musik, eine wesentliche Sprache, um den Dimensionen religiöser Erfahrung nachzuspüren – hier: Johannes Grütter an der Violine und Kantor Thomas Pangritz an der Orgel (Foto: Carsten Zeleny)

Der Tröster wird abwischen alle Tränen. Vielleicht noch nicht heute, doch an aller Tage Ende. Der überwunden hat diese Welt und uns zusagt in seinem Wort, bei uns zu sein. Auch dann wenn mir Angst und Bange ist, ich mich fürchte, gerade dann kann die Hoffnung am größten sein!

II. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Das Wort wird uns zur Zuversicht!

So lasst uns nicht verrückt machen im Trubel dieser Tage, einer zunehmend komplexer werdenden Welt. Hängen wir nicht zu viel am News-Feed, der Facebook-Timeline und sonstigen PushUp-Benachrichtigungen auf unserem Handy…

Darunter ein Terror Anschlag in Wien, das Kopf-an-Kopf Rennen zweier Präsidentschaftskandidaten in den USA, die erste Woche im Teil-Lockdown, die Arbeitslosen-Statistik unserer Republik oder das Infektionsgeschehen, wie etwa Corona Fälle in einem Konstanzer Altersheim. All´ das macht mich mürbe!

Predigt von Pfarrer i.P. Jan Otte in der Konstanzer Pauluskirche (Foto: Carsten Zeleny)

Lasst uns bei diesen vielen schlechten Nachrichten nicht verzweifeln sondern umkehren, so wie die Propheten im Alten Israel! Die haben nicht nur Missstände angeprangert. Sie predigten Hoffnung, diese Boten des ewigen Advents. Legen wir es Gott hin, ohne Unterlass. Bitten und beten und vertrauen wir darauf, dass ER es ist, der es recht machen wird zur rechten Zeit und nach seiner Gerechtigkeit, der das Maß aller Dinge hütet, im Reich Gottes – Gestern, heute und auch morgen.

III. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Der Weg wird unsere Zukunft sein!

Helfen wir uns dabei, diese gewisse, ja göttliche Gelassenheit zu entwickeln. Alleine schaffen wir‘s nicht, gemeinsam schon. Mir geht es nicht darum, alles auf Teufel komm‘ raus, positiv sehen zu wollen. Verschwörungstherorien engen mich ein, Komplexität erkenne ich an. Und doch geht es um etwas Wesentliches. Unsere Haltung, die Geistesgegenwart. 

Kommen wir raus dem Gedankenkarussell, gar einer Abwärtsspirale und so manchem Trugschluss unserer Filter-Bubble. Lassen wir uns da eben so plötzlich und unerwartet (wieder) rausholen, mit Gottes Kraft und Hilfe.

Bringen wir uns gegenseitig, bei allem Abstand der in diesen Tagen nötig ist, in einen guten Zustand. 

Jan Otte, Pfarrer i.P.

Bringen wir uns gegenseitig, bei allem Abstand der in diesen Tagen nötig ist, in einen guten Zustand. Bleiben wir gewiss gelassen, begeistert und bestärkt. Begreifen wir, was Paulus in seinem allerersten Brief den Gemeinden mit auf den Weg hat, der unsere Zukunft ist: „Ermutigt und tröstet einander, wie ihr es ja auch bisher getan habt“.

Worte die Mut machen, Trost spenden, mitten im Leben. Dabei hilft uns die Musik. Und so manches Bonmot auf einer Gruß-Karte. Zum Beispiel dieses hier. Der russische Romanautor Leo Tolstoi, bekannt durch das Epos „Krieg und Frieden“, erzählte es mal so: 

„Wer die Lehre von Christus begreift, hat das gleiche Gefühl wie ein Vogel, der bis dahin nicht wußte, daß er Flügel besitzt, und nun plötzlich begreift, daß er fliegen, frei sein kann.“

Leo Tolstoi, Romanautor

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Predigt gehalten am 8. November in der Pauluskirche zu Konstanz

Artikelbild: Amir Bajric/ Shutterstock 

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