Furcht vor (über)morgen? Muss nicht sein... (Foto: g-stockstudio/ Shutterstock)

Mit Sicherheit: Vorsorge ja, Panik nein!

in Predigten von

Am liebsten haben wir alles im Griff, wirklich alles! Zufälle? Mögen die wenigsten von uns. Wir merken aber auch: erstens kommt es anders und zweitens anders als man denkt. Es geht darum, WIE wir mit Unsicherheit im Leben umgehen. Vom Geist des Fürchtens und einem probaten Gegenmittel…

Heute haben die Läden zu. Ich meine, die Supermärkte die uns mit allem Nötigen und Unnötigen versorgen. Meist haben sie offen, die Regale sind voll – was das angeht, brauchen wir uns vor nichts zu fürchten. Doch der Bundesminister des Inneren empfiehlt, selbst in den Sommerferien, einer Zeit der Leichtigkeit: Sorgen Sie vor! Und? Haben Sie es getan? Vorräte angelegt, womöglich sogar gehamstert?

So kann’s gehen. Deponieren Sie mindestens zwanzig Liter Trinkwasser im Keller, horten mehrere Büchsen Ravioli, dazu etwas Schokolade – ein bisschen Spaß muss sein. Und ein Bündel an Geldscheinen, Bargeld. Damit kommen Sie ein paar Tage über die Runden und dann, dann soll – im Katastrophenfall – die bundesweite Versorgung anlaufen. Wie geht’s uns mit diesem Schreckensszenario, wie gehen wir damit um? Nun. Der Minister sagt: keine Bange, bloß keine Panik! Nur: sorgen Sie vor, tun Sie etwas, überlassen Sie möglichst wenig dem Zufall…

Vorsorge, Versorgen, Fürsorge

Vorsorge. Das Thema kommt mir irgendwie bekannt vor. Noch mitten im Studium klärt mich ein Versicherungsmakler auf: über Altersarmut, die sogenannte „Versorgungslücke“, die steigenden Risiken eines Bandscheibenvorfalls oder Herzinfarkts – bereits im mittleren Alter. Puh! Und das alles schon mit Mitte 20.

Ich beginne zu recherchieren, suche nach solchen Begriffen im Netz, befrage mein Umfeld, Freunde, Verwandte und Experten. Wie machen’s die? Und je mehr ich mich mit diesem Thema „Vorsorge“ beschäftige, desto mehr merke ich: Es verunsichert mich, Tendenz steigend. Dabei soll ich doch vorsorgen! Raten mir zumindest Anlageberater – ihre Provision dabei im Blick.

Eins wird mir bei diesen Gedankengängen klar: weder die noch so ausgetüftelte Geldanlage noch das in liebevoller Hingabe und Fantasie bestückte Kellerregal scheint im Fall der Fälle wirklich sicher zu sein.

„Angst, zu kurz zu kommen“

Stets schwingt da diese Unsicherheit mit, die Angst, zu kurz zu kommen, nicht genügend vorgesorgt zu haben. Die Angst ist unbehaglich und eng und sie macht unsere Gedanken manchmal auch ganz eng.

So frage ich mich manchmal: wohin mit diesem Gefühl, das Leben bringt so vieles mit sich, aber brauche ich deshalb dauernd in Sorge zu sein? Oder bringt mich die Angst dazu, das im Blick zu behalten, was wichtig ist, was ich klären und angehen sollte?

Nehmen wir uns einen Moment Zeit und gehen dem mal nach, was uns die Sorge eigentlich sagen will, worauf sie unseren Blick lenkt…

Fürchterliche Sorgen

Vielleicht denken Sie jetzt an eine bestimmte Sache, die Sie in der kommenden Woche klären wollen, vielleicht schon lange hätten klären sollen.
Furcht ist ein starkes Gefühl. Wie damit umgehen?

Manchmal zieht sie uns richtig runter. Aber überwundene Angst ist neue Stärke. Ein Beispiel dafür ist Petrus, einer der Jünger Jesu. Mit Jesus ging er durch dick und dünn, er verließ seine Netze als Fischer und vertraute sich Jesus ganz an. Unterwegs auf dem See, Jesus wollte nachkommen, begegnet den Jügern ein Gespenst – denken sie zumindest! Petrus erkennt als erster, es ist Jesus! Und springt ins Wasser… (Mt. 14,22-33 – Geschichte hier)

Petrus ging sogar auf dem Wasser – aber nur solange bis er nicht mehr auf IHN schaute, sondern auf die großen Wellen – er bekam es mit der Angst zu tun und fürchtete sich vor dem Untergang, es zog ihn in die Tiefe.

Petrus lernte, mit dieser Furcht – sei sie begründet oder nicht – umzugehen. Er wusste, wohin er mit dieser Furcht gehen kann statt sie sich ausreden zu lassen von irgendwelchen Experten, auch „Life Coaches“ genannt, die am Ende doch nicht helfen können.

Umwerfend gut!

Mit Furcht kannte sich der Jesusjünger demnach aus, aber er kannte auch ein Gegenmittel. So lese ich in der Bibel im Brief des Petrus: „Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch!“ (1Petr 5,7) ALLES.

Vertrauen, in allen Dingen. Dieser Ratschlag kostet kein Geld, dafür umso mehr Überwindung. Es gibt nicht DAS Patentrezept gegen die Furcht so wie es nicht DIE Vorsorge gegen alles (Un)mögliche gibt. Eines aber hilft, wenn ich mir mein Kind so anschaue und die vielen anderen Kinder, wie sie mit ihren Eltern umgehen…

Kinder vertrauen ihren Eltern, einfach so. Sie werden es schon gut machen, sind sie sich sicher. Sicher? Sie fühlen sich sicher, geborgen, beschützt. Sie sind gewiss, dass ihre Eltern alle möglichen Risiken und Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen und abwägen.

Das ist kein Geist der Furcht – es ist Vertrauen. In allen Lebenslagen, dass da jemand da ist, auf den ich mich verlassen kann. Jeden Moment! Für mich ist das ein Bild dafür, wie wir uns an Gott wenden können. Denn: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7). Nochmal:

  • Der Geist der Besonnenheit – statt Furcht.
  • Kraft und Liebe – darunter kann ich mir etwas vorstellen.
  • Aber was meint das – besonnen zu sein?

Weitblick vertreibt Ängste

Ich versuche es einmal mit diesen Worten auszudrücken. Weitblick und Achtsamkeit, Maß halten, eine innere Ruhe, all‘ das schwingt beim Wort „Besonnenheit“ mit. Besonnenheit schafft Vertrauen, vertreibt die Angst. Das ist mächtig, schenkt neue Kraft, lässt der Liebe untereinander weiten Raum.

Besonnenheit hilft uns, achtsam durchs Leben zu gehen. Und sie hilft mir, mich zu entscheiden. Für Kraft wo es mir notwendig erscheint. Und für Liebe, in all‘ den Momenten wo sie möglich ist in der Welt in der wir nun mal leben. So viel Kraft wie nötig, so viel Liebe wie möglich. In diesem Sinne möchte ich gerne besonnen sein.

Das wünsche ich Ihnen, euch und uns, dass wir dieses Vertrauen aufbauen, Vertrauen in Gottes Handeln und in unsere eigenen Fähigkeiten – wie ich glaube dass Gott sie uns gibt. Ich will das tun, was ich tun kann. Und es dann Gott anheim stellen. Denn „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Amen.

Gehalten am 11. September in der Ev. Auferstehungskirche in KN-Litzelstetten

Artikelbild: g-stockstudio/ Shutterstock

Ich bin Jan Otte. Und möchte Menschen Mut machen. Das versuche ich mit Worten und Taten, mit meiner Schreibmaschine und dem Mikrofon, mit diesem Blog und Podcast...

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